"Forum Gute Führung" – warum brauchen wir eine Diskussion zum Thema Führung?

"Forum Gute Führung" – warum brauchen wir eine Diskussion zum Thema Führung?

Wir erleben immer häufiger Führungskräfte, die an ihre Grenzen stoßen. Zwischen gelebter Mitarbeiterorientierung und geforderten Performance-Verbesserungen werden ihre Spielräume immer geringer.

FGF im Gespräch mit Thomas Fleck, Geschäftsführer der ILTIS GmbH

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"Forum Gute Führung" – warum brauchen wir eine Diskussion zum Thema Führung und was ist der Beitrag der ILTIS GmbH dazu?

Führungskräfte, denen nicht nur die Kennzahlen wichtig sind, sondern auch die Kultur des Unternehmens und die Qualität der Arbeitsatmosphäre am Herzen liegen, leiden aktuell besonders. Wir nehmen eine Tendenz zur "Hyper"optimierung von Prozessen wahr, die in der Praxis schlicht nicht mehr realistisch sind. Wenn Mitarbeiter nachhaltig an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, verlieren sie schlicht die Lust an der Arbeit. Und wenn Führungskräfte sich regelmäßig an der Grenze ihrer Fähigkeiten befinden, geht verloren, was dringend gebraucht wird: Reflexionsfähigkeit, Überblick, Besonnenheit, Austausch und vor allem das gemeinsame Entwickeln von Lösungen, zu denen einer alleine nicht mehr im Stande ist.

Unsere (ILTIS) Erfahrungen zeigen, wie wichtig und befruchtend der Austausch untereinander und die gelebte Kultur eines Unternehmens sind. Wir setzen auf Dialog – gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir mit einem ganzheitlichen Blick Prozesse. Weder Software-Systeme noch Ablaufprozesse sollten praxisfern und ohne die beteiligten Mitarbeiter entwickelt werden. Uns sind offene Zusammenkünfte und vor allem die Beteiligung möglichst aller Mitarbeiter sehr wichtig. Gerade das sind Anfangsinvestitionen, die sich im Laufe der Projektarbeit auf jeden Fall auszahlen.

Was sind die Stärken des Projektes? Wo soll es hinführen?

Im Projekt geschieht genau das, was wir uns für die Zielgruppe dieser Plattform wünschen: synergetisches Arbeiten im Netzwerk. So, als gäbe es die Grenzen der jeweiligen Organisationen nicht mehr. In dynamischen Prozessen entstehen gemeinsame Antworten auf die anstehenden Fragen. Die jeweiligen Stärken der einzelnen Partner werden so koordiniert, dass sie sowohl zur besseren Performance des Projektes als auch zu völlig neuen und innovativen Ideen und Ansätzen führen. In regelmäßigen Austauschprozessen haben wir einen Ereignisraum aufgespannt, in dem wir das bereits anwenden, was wir später mit den Führungskräften aus ganz Deutschland zu einem intensiven Dialog-, Verständigungs- und Erkenntnisprozess ausweiten wollen. Was von außen vielleicht gelegentlich etwas chaotisch wirken mag, folgt der inneren Logik eines übergeordneten Zieles. Je nach Phase des Projektes wechseln Verantwortungen und Zuständigkeiten auf den jeweils qualifizierten Partner. Es führt, wer die anerkannte Kompetenz hat. Führung wird amorph. Das ist dynamischen Prozessen besser gewachsen als feste Strukturen und geregelte Abläufe.

Während eines solchen Prozesses ist aus der Idee eines Management-Spickzettels im Jahr 2000 ein mittlerweile anerkanntes Fachportal für Manager entstanden (www.4managers.de), auf das neben Praktikern auch regelmäßig Universitäten und Ausbildungseinrichtungen zugreifen. Auf dieses Portal wird unser Projekt "Forum Gute Führung" ganz sicher Einfluss haben.

Wir wünschen uns mehr von diesen Wechselwirkungen. Wir möchten, dass Führungskräfte stärker in den Dialog treten, sich besser verstehen lernen, ihre Lösungen austauschen und reflektieren, um dann, darauf aufbauend, gemeinsam Neues entwickeln.

Sie plädieren für mehr "menschliche Aspekte" in der Führung und vielleicht etwas weniger harte Unternehmenskennzahlen. Ist das ein Dilemma oder lässt sich beides sinnvoll ergänzen und lassen sich Synergien schaffen?

Kennzahlen sind Orientierungswerte und damit ein Werkzeug der Führung. Immer häufiger gewinnt man jedoch den Eindruck, dass Führungskräfte zum Werkzeug der Kennzahlen werden. Das ist eine fatale Entwicklung. Kennzahlen sind immer eine Verdichtung von Informationen, die dazu dienen, Entscheidungen schneller treffen zu können. Sie reduzieren die Komplexität der Realität und es kommt dabei oftmals zu einem signifikanten Informationsverlust. Hinzu kommt das Kennzahlen nur dann wirklich nützlich sind, wenn sie Stabilität aufweisen. Wie sonst könnten mit ihnen Vergleiche möglich sein. Und genau darin steckt das Dilemma: Der zunehmenden Veränderungsgeschwindigkeit sind eben diese starren Kennzahlensysteme nicht mehr gewachsen. Wenn Führungskräfte mit Kennzahlen im Kopf und einem flauen Gefühl im Magen Entscheidungen treffen, kann man fast sicher sein, dass in der nächsten Runde die Kennzahlen noch schlechter werden. Gleichermaßen gilt aber auch, dass Führen ohne Kennzahlen einem Blindflug gleicht.

Die Lösung steckt auch hier im Dialog und Netzwerk: Die Interpretation der Kennzahlen und die daraus resultierenden Ergebnisse sollten eben nicht nur einer Person oder einem kleinen Kreis überlassen werden. Kennzahlen sind nicht in Stein gemeißelt: Man kann sie austauschen, erweitern oder in Beziehung setzen. Und man sollte sie vor allem wieder LANGFRISTIG betrachten. Wir können nicht von Nachhaltigkeit reden und gleichzeitig die Unternehmen anhand von Quartalsergebnissen bewerten.

Sie waren maßgeblich am Relaunch der Internetplattform beteiligt. Was sind dabei die wichtigsten Schritte nach vorne gewesen und wo soll Ihrer Meinung nach die Reise hingehen?

Mit der Wertestudie "Gute Führung" von nextpractice ist eine völlig neue Dimension in das Projekt gekommen. Im Vorfeld haben wir mit vielen unserer Interviewpartner hoch spannende Gespräche über das Thema „Gute Führung“ geführt. Jetzt, wo die Ergebnisse vorliegen, können wir tiefer eintauchen in diese Wertewelt: ein spannender und tiefgründiger Ozean mit viele Themen, zu denen eine Diskussion lohnt. Nichts war daher nahe liegender, als den bestehenden Internetauftritt zu einer dialogorientierten Plattform um- und aufzubauen. Doch Internet-Dialoge mit der Zielgruppe Führungskräfte war ein strittiges Thema im Projektteam. Wie stark selektieren wir, wenn wir den Dialog ausschließlich in Social Media Anwendungen praktizieren? Das war eine der spannenden Fragen. Ist es überhaupt möglich, den Dialog nur virtuell zu führen oder braucht es face-to-face Formate? Das war eine andere Frage.

Um Antworten zu finden, haben wir kurzerhand das Projektteam erweitert: mit Ulrike Reinhard kam eine erfahrene Content getriebene Internet Expertin dazu, Communityentwickler, Grafiker und Webentwickler haben sich zu einem virtuellen Projektteam zusammengeschlossen und zuerst ein Konzept und schließlich eine Dialog orientierte Plattform entwickelt, die den redaktionellen Part des Projektteams mit einer Community verbindet, in der sich Führungskräfte austauschen und eigene Beiträge zur Diskussion beisteuern.

Über das hinaus, was Sie gerade vor sich sehen, haben wir noch einiges vor. Da ist z. B. der Sprung in die Westentasche über eine gute APP für mobile Endgeräte. Da sind unsere Online- und Offline-Workshops mit dem nextmoderator. Dann haben wir weitere Videogespräche geplant mit interessanten Menschen über die Ergebnisse der Wertestudie, über spannende Projekte oder über Werkzeuge und Instrumente aus der Praxis. Kurz gesagt: Da steckt noch viel DIALOGISCHES drin. 

5. Die Webpage ist sehr stark Content getrieben und Austausch ist ein wichtiges Anliegen. Warum sollen die Leute bei Ihnen mitmachen? Was ist der Mehrwert, den diese Plattform bietet und den andere nicht haben?

Mitmachen sollten Führungskräfte vor allem aus drei Gründen:

  • Um im Austausch mit anderen die Welt der Führung besser zu verstehen.
  • Um in Dialogen zu qualifizierteren und innovativeren Entscheidungen zu kommen.
  • Um neben Gedanken, auch ganz konkrete Werkzeuge und Lösungen auszutauschen und sich gegenseitig zu bereichern.

Der Mehrwert des „Forums Gute Führung“ steckt in den Führungskräften selbst. Führungskräfte gemeinsam sind schlauer als der beste Führungstrainer. Erwarten Sie daher keine Lösungsmodelle und Rezepte. Die gibt es zuhauf und wenn die wirklich helfen würden, würden wir als Führungskräfte nicht so oft an unsere Grenzen stoßen. Der Leitspruch unserer Führungskräftetrainer bei ILTIS „Führungskulturen zukunftsorientiert entwickeln heißt: Sinn stiften, Beteiligung ermöglichen und Struktur geben“ drückt ziemlich genau aus, um was es uns mit der Plattform geht und warum wir mit Engagement dabei sind. Treten Sie ein in unseren Ereignisraum. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.